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PV-Angebote vergleichen: So prüfst Du Preis, Leistung & Amortisation (inkl. Checkliste)

PV-Angebote vergleichen: So prüfst Du Preis, Leistung & Amortisation (inkl. Checkliste)

Viele Hausbesitzer holen ein Photovoltaik-Angebot ein, sehen eine hübsche “Wirtschaftlichkeitsrechnung” und unterschreiben. In der Praxis sehen wir als PV-Installationsbetrieb jedoch immer wieder Angebote, die so teuer sind, dass man über Jahrzehnte betrachtet mit normalem Netzstrom günstiger fährt als mit der „vermeintlichen Ersparnis“ aus der PV-Anlage. Zum Ende dieses Artikels, zeigen wir ein echtes Extrembeispiel aus der Praxis.

Photovoltaik kann sich sehr gut rechnen aber nur, wenn Preis, Leistungsumfang und Rechenannahmen zusammenpassen. Viele PV-Angebote sind schwer vergleichbar, weil sie unterschiedliche Anlagengrößen, Speicher, Elektro-Umfänge und Wirtschaftlichkeitsannahmen enthalten. Wer nur die Endsumme betrachtet, riskiert eine teure Fehlentscheidung.

Dieser Beitrag zeigt, wie Du PV-Angebote systematisch prüfst, vergleichbar machst und eine realistische Amortisation berechnest - ohne Verkaufsrhetorik, dafür mit klaren Richtwerten und einer kurzen Checkliste.

Warum PV-Angebote oft nicht vergleichbar sind

Zwei Angebote können optisch ähnlich wirken, basieren aber häufig auf völlig unterschiedlichen Grundlagen:

  • Anlagengröße (kWp) und Dachausnutzung (Modulanzahl, Verschattung, Ausrichtung)
  • Speicher (kWh): enthalten oder nicht, passend dimensioniert oder überdimensioniert
  • Leistungsumfang: Elektroarbeiten, Dacharbeiten, Anmeldung, Entsorgung, “schlüsselfertige” Installation
  • Wirtschaftlichkeitsrechnung: Strompreis, Eigenverbrauch, Einspeiseannahmen, Preissteigerungen

Die Folge: Amortisationszeiten lassen sich ohne einheitliche Basis kaum fair vergleichen.

Schritt 1: Leistungsumfang prüfen - erst dann Preis bewerten

Bevor Du Preise vergleichst, prüfe, ob die Angebote denselben Umfang liefern.

Technik und Dachausnutzung

  • Wie viele Module und welche Gesamtleistung (kWp) werden installiert?
  • Ist das Dach sinnvoll ausgenutzt? (gerade bei kleinen Dachflächen zählt jedes Modul)
  • Wurden Verschattung, Hindernisse und Dachgeometrie berücksichtigt?

Komponenten und Systemauslegung

  • Module: Typ, Leistung, Produkt-/Leistungsgarantie, Fullblack-Optik, Glas/Glas-Aufbau
  • Wechselrichter: Dimensionierung, Monitoring, Ki-Optionen, Stringplanung
  • Speicher (falls enthalten): nutzbare Kapazität, Garantiebedingungen (nicht nur Garantiedauer in Jahren, sondern auch garantierte Zyklenanzahl im Kleingedruckten), Integration ins Energiemanagement, DC-Speicher oder AC-Speicher mit zusätzlichen Verlusten
  • Hersteller und damit Garantiegeber: Wie lange gibt es dieses Unternehmen schon? Schreibt es positive Zahlen, ist damit finanziell gut aufgestellt und besteht die Möglichkeit das ich auch in 10 Jahren noch meine Garantieansprüche stellen kann?

Elektro, Messkonzept, Anmeldung

  • AC Installation nach Vorschrift (z.B. mit SLS-Schalter und Überspannungsschutz oder sogar neuem Zählerschrank, wenn nötig), Absicherung, Leitungswege, Erdung
  • Messkonzept (z. B. Energiemessung/Smart Meter, falls erforderlich, Zähler-Zusammenlegung)
  • Netzbetreiberprozess, Inbetriebnahme, Dokumentation

Praxisregel: Ein Angebot ist nur dann „günstig“, wenn es vollständig ist und nicht, wenn wichtige Positionen fehlen.

Schritt 2: Schnelltest mit Kennzahl - Preis pro kWp (Plausibilitätscheck)

Ein sehr schneller Indikator ist der Preis pro kWp:

Preis pro kWp = Gesamtpreis ÷ kWp

Damit erkennst Du extreme Ausreißer in Sekunden. Wichtig: Kleinanlagen sind pro kWp meist teurer, weil Fixkosten (Planung, Elektro, Anmeldung) ähnlich bleiben.

Grobe Richtwerte (Komplettanlage inkl. Speicher) zur Orientierung

  • ~5 kWp + ~5 kWh Speicher: ca. 1.900 - 2.300 €/kWp
  • ~10 kWp + ~8 kWh Speicher: ca. 1.350 - 1.600 €/kWp
  • ~15 kWp und größer: tendenziell Richtung ~1.100 €/kWp (objektabhängig)

Wenn Du inkl. Speicher bei 3.000-4.000 €/kWp oder höher landest, ist das ein deutliches Warnsignal: Das Angebot wird sich häufig nur schwer in einer sinnvollen Zeit amortisieren.

Schritt 3: Wirtschaftlichkeitsrechnung prüfen - Annahmen sind entscheidend

Viele Wirtschaftlichkeitsberechnungen sehen gut aus, weil sie mit hohen Strompreissteigerungen arbeiten. Das macht die Ersparnis-Kurve über die Jahre sehr steil - ist aber nicht automatisch realistisch.

So machst Du Angebote fair vergleichbar

  • Verwende für alle Angebote dieselbe Rechenbasis (Strompreis, Laufzeit, Vergütung, Verbrauch)
  • Rechne mindestens ein konservatives Szenario (z. B. fixer Referenzstrompreis)
  • Achte darauf, dass Eigenverbrauch nachvollziehbar hergeleitet ist (Lastprofil, Tagesverbrauch, ggf. Speicher)

PV-Amortisation berechnen: einfache Formel, klare Aussage

Die Amortisation ist ein hilfreicher Schnellindikator:

Amortisation (Jahre) = Investition ÷ jährliche Netto-Ersparnis

Die Netto-Ersparnis setzt sich typischerweise zusammen aus:

  • Ersparnis durch Eigenverbrauch (ersetzter Netzstrom)
  • Einnahmen aus Einspeisung
  • abzüglich laufender Kosten/Rücklagen (z. B. Versicherung, ggf. Ersatzteile nach Garantieende)

Tipp: Wenn Du Angebote vergleichst, ist nicht die perfekte Modellierung entscheidend, sondern die einheitliche und transparente Grundlage. Nutze kostenlose und einfache Programme/Internetseiten wie z.B. den PV-Tool Rechner von AkkuDoktor.

Speicher ja oder nein: Wann er sich lohnt (und wann nicht)

Ein Speicher kann die Wirtschaftlichkeit verbessern - muss aber passend dimensioniert und sinnvoll bepreist sein.

Ein Speicher ist oft sinnvoll, wenn:

  • der Preis passt (üblich sind 190€/kWh Kapazität bis 350€/kWh Kapazität, je nach Größe und Technologie. Niedervoltspeicher sind häufig günstiger als Hochvoltspeicher, haben dafür aber größere Wandlungsverluste)
  • die Speichergröße zum (Nacht-)Verbrauch und zur PV-Leistung passt,
  • Du abends/nachts/morgens regelmäßig einen relevanten Anteil Strom benötigst.

Ein Speicher ist häufig kritisch, wenn:

  • er sehr teuer ist (>350€/kWh),
  • er deutlich zu groß dimensioniert ist,
  • die Rechnung nur durch aggressive Strompreissteigerungen „rentabel“ wirkt.

Die häufigste Kostenfalle: Kein echtes Festpreisangebot

Ein Angebot kann günstig wirken und später teurer werden, wenn Leistungen nicht enthalten sind oder nur im „Kleingedruckten" auftauchen, z.B.:

  • Zählerschrank-Anpassungen / zusätzliche Schutztechnik
  • Erdung / Potentialausgleich
  • Leitungswege, Durchbrüche, Baustelleneinrichtung, Entsorgung

Check: Ist es ein Festpreis oder ein „ab“-Preis? Sind mögliche Zusatzkosten klar und vorher beschrieben oder verstecken sich mögliche Kostensteigerungen im Kleingedruckten? (z.B. „Falls nötig, wird der Zählerschrank erneuert und hinterher zusätzlich berechnet”)

Extrembeispiel aus der Praxis: Wenn ein Angebot „schön gerechnet“ ist und was ein fair kalkuliertes System wirklich kostet

Wir sehen regelmäßig Angebote, die auf dem Papier hervorragend aussehen - bis man die Rechenannahmen überprüft.
Hier ein Beispiel eines Kunden von uns, der folgendes Angebot erhielt:

  • 3,8 kWp PV-Anlage mit 3,5 kWh Speicher
  • Zum Preis von 21.130 €

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung wirkte überzeugend, basierte jedoch auf Annahmen, die in vielen Angeboten zu finden sind: steile Strompreissteigerungen über die Jahre, die die Ersparnis nach hinten heraus künstlich erhöhen. Sobald man dagegen eine einheitliche, konservative Vergleichsbasis nutzt (fixer Referenz-Strompreis, realistische Einspeisevergütung, gleiche Verbrauchsdaten), wird schnell sichtbar: Bei solchen Einstiegspreisen wird die Anlage wirtschaftlich „zäh“ und amortisiert sich erst sehr spät.

In derselben Ausgangslage zeigte sich, wie groß der Unterschied bei sauberer Planung und fairer Kalkulation sein kann: Durch optimierte Belegung wurde am Ende folgende PV-Anlage durch und realisiert:

  • 4,95 kWp (statt 3,8 kWp), passend dazu mit 5,3 kWh Speicher (statt 3,5 kWh)
  • als schlüsselfertiges Gesamtpaket inkl. Elektro, Anmeldung und aller Nebenleistungen - für 10.295 € (statt 21.130 €) 

Unterm Strich: Mehr Leistung, mehr Speicherkapazität und 10.835 € Ersparnis. Damit ein deutlich besseres Verhältnis aus Investition und Nutzen.

Checkliste: PV-Angebot in 2 Minuten prüfen

  1. kWp & Modulanzahl: Ist das Dach sinnvoll genutzt?
  2. Speicher (kWh): Passt er zur Anlage und zum Verbrauch?
  3. Gesamtpreis: PV + Speicher + Montage + Elektro + Anmeldung - alles drin?
  4. Preis pro kWp: Gesamtpreis ÷ kWp = €/kWp (Plausibilitätscheck)
  5. Rechenannahmen: Strompreis, Eigenverbrauch, Laufzeit, Vergütung transparent?
  6. Vorsicht bei Preissteigerungen: Werden unrealistische Steigerungen genutzt?
  7. Festpreis: wirklich Festpreis oder „ab“ mit versteckten Zusatzkosten, wenn nötig?
  8. Zählerschrank/Erdung/Zusatzarbeiten: sauber ausgewiesen, nicht versteckt?
  9. Elektro-Umfang: Schutz, Messkonzept, Inbetriebnahme enthalten?
  10. Anmeldung & Doku: Netzbetreiber/MaStR, Unterlagen enthalten?
  11. Vergleichbarkeit: gleiche Annahmen für alle Angebote hergestellt?
  12. Plausibilität: Passt Technik/Preis/Rechnung zu deinem Hausprofil?

Fazit

Ein gutes PV-Angebot erkennst Du nicht an der schönsten Grafik, sondern an:

  • vollständigen Leistungsumfang,
  • plausiblen Preisen (u. a. über €/kWp),
  • transparenten, konservativen Rechenannahmen,
  • sauberer Vergleichbarkeit

Wenn Du Angebote nach dieser Methode prüfst, reduzierst Du das Risiko deutlich, in eine unwirtschaftliche Konfiguration oder in versteckte Zusatzkosten zu geraten.

Nächster Artikel §14a EnWG & Module 1, 2 und 3: Wie du dir garantierte Netzentgelt-Rabatte sicherst und warum der Netzbetreiber sie an dich weitergeben muss

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